Gebet

Gott im Himmel


Herr, ich recke meine Arme
Im Gebet zu dir empor,
Wie ich ring’
in bittrem Harme,
Leih in Gnaden mir dein Ohr!

Dass in gleichen Bitternissen
Einst der Ahn dir
gab zum Pfand,
Sieh, zertrennt zu
deinen Füßen
Unser armes, armes Land!

Sieh, im Kampf aus
tausend Bronnen
Trank der Tod
sein Mannesblut,
Südtirol, du Land der Sonnen,
Ach, umsonst war unsre Hut!

Südtirol, du Land der Reben,
Wo der Schlern
wie Rosen brennt,
Du, dem Feinde hingegeben,
Von den Brüdern abgetrennt!
Wo der Deutsche
deutsch sich baute,
Fremder Name
höhnt und pocht,
Alte Sitten, alte Laute,
Fremder Herrschaft unterjocht!

Was im Drang und
im Getümmel
Des Jahrhunderts
sich erwehrt;
Selbst dein Name,
Gott im Himmel,
In der Kinder
Mund verkehrt!

Hör’, aus
hunderttausend Kehlen
Zu dir aufwärts
gellt der Schrei, Hör’,
aus hunderttausend Seelen
Fleht es brünstig:
Mach’ uns frei!

Sieh, wir können’s
nicht vollbringen,
Denn wir sind zu
schwach dazu,
Vor dir, Herr,
die Riegel springen,
Herr im Himmel,
tu es du!


Nieder mit der
Malser Scheide,
Reute aus des
Brenners Pfahl,
Inn und Etsch,
wie ehmals, beide
Unsre Flüsse,
uns ihr Tal.

Uns des Rotaars alte Erde,
Deiner Allmacht zum Symbol,
Eine Sprache, eine Herde,
Ein Land wieder, dein Tirol.

Von Franz Kranewitter
Aktualisierung: 20/04/2010
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