Frau

Hitt

 
             
 
             

Frau Hitt


In uralten Zeiten lebte im Tirolerland eine mächtige Riesenkönigin, Frau Hitt genannt, und wohnte auf den Gebirgen über Innsbruck, die jetzt grau und kahl sind, aber damals voll Wälder, reicher Äcker und grüner Wiesen waren. Auf eine Zeit kam ihr kleiner Sohn heim, weinte und jammerte, Schlamm bedeckte ihm Gesicht und Hände, dazu sah sein Kleid schwarz aus, wie ein Köhlerkittel. Er hatte sich eine Tanne zum Steckenpferd abknicken wollen, weil der Baum aber am Rand des Morastes stand, so war das Erdreich unter ihm gewichen und er bis zum Haupt in den Moder gesunken, doch hatte er sich noch glücklich herausgeholfen. Frau Hitt tröstete ihn, versprach ihm ein neues schönes Röcklein und rief einen Diener, der sollte weiche ihm in der Kirche zu Amras widerfahren war, beichtete ihm hierauf mit großem Fleiß seine Sünden und diente fürbass Gott mit Ernst und mit Andacht. Aus Dankbarkeit ließ er ein Bild malen, auf dem die Muttergottes samt dem Kindlein so dargestellt ist, wie sie vom Altar herab zu ihm gekommen war und hängte es in der Kirche zu Amras unter der Kanzel auf. Daselbst ist es noch zu sehen.

Brosamen nehmen und ihn damit reinigen. Kaum aber hatte dieser angefangen mit der heiligen Gottesgabe also sündlich umzugehen, so zog ein schweres, schwarzes Gewitter daher, das den Himmel ganz zudeckte, und ein entsetzlicher Donner schlug ein. Als es wieder aufhellte, da waren die reichen Kornäcker, grünen Wiesen und Wälder und die Wohnung der Frau Hitt verschwunden und überall war nur eine Wüste mit zerstreuten Steinen, wo kein Grashalm mehr wachsen konnte. In der Mitte aber stand Frau Hitt, die Riesenkönigin, versteinert und wird so stehen bis zum jüngsten Tag.

In vielen Gegenden Tirols, besonders in der Nähe von Innsbruck, wird bösen und mutwilligen Kindern die Sage zur Warnung erzählt, wenn sie sich mit Brot bewerfen oder sonst Übermut damit treiben. „Spart eure Brosamen, heißt es, für die Armen, damit es euch nicht ergehe, wie der Frau Hitt.“ (Innsbruck)

Aktualisierung: 21/04/2010
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